Kampfgeist.

In einem kleinen Wasserloch, nicht viel größer als ein Planschbecken, paddle ich vor mich hin. Von außen unsichtbar, ragt das Wasserbecken kilometertief. Eine dünne Leiter mit brüchigen Sprossen, als einzige Möglichkeit zu entkommen. Das trübe Wasser verdreckt und vergiftet, steht mir bis zum Hals. Eben noch auf der untersten Stufe der Leiter gestanden, ist sie abgebrochen und ich drohe zu Ertrinken.

 

Und da stehen sie am Beckenrand, die Versammelten. Ganz in schwarz gekleidet, winken sie mit Taschentüchern und sehen zu, wie ich panisch um Luft ringe. Sie planten meine Beerdigung, obwohl mein Puls noch schlägt. Sie reichen mir ihre Hände, um mich wieder hinein zu stoßen. Hinterrücks lassen sie Wasser ein, um meinen Untergang zu beschleunigen.

Allein und gedemütigt paddle ich weiter. Doch ich bin müde, ich bin überfordert, ich habe keine Kraft mehr. Nach einem tiefen Atemzug tauche ich unter, lasse mich gänzlich treiben. Zumindest für wenige Sekunden, werde ich mich ausruhen. Schwerelos im bräunlich sandigen Wasser tauchend, achte ich auf jeden Herzschlag, der das Blut durch meine noch warmen Adern pumpt.

Langsam geht er mir aus, der wertvolle Sauerstoff, mein Kraftstoff, der den Motor am Laufen hält. Ich strecke den Kopf aus dem Wasser. Wieder schnappe ich nach Luft, tauche unter und verharre erschöpft treibend. Mir fehlt die Ausdauer zu Schwimmen. Mir fehlt die Zeit, um mich weiterhin auszuruhen. Wie durch einen trüben Schleier sehe ich die letzte Luftblase an die Wasseroberfläche steigen und folge ihr.

 

Die einen schäumen vor Wut, andere verdrücken mühevoll Krokodilstränen. Die verschwommenen verweinten Gesichter, ihre unschuldigen Augen sprechen das Urteil. Dunkle Geister, in Form von menschlichen Gestalten stehen um das Becken und beugen sich tief über den Wasserspiegel. So tief, dass sie selbst drohen hineinzufallen. Sie sehen auf mich herab, es soll ihr Mitleid unterstreichen. Zwischen Mitleid und Mitgefühl liegen Welten des Unterschieds.

 

Sie erteilen mir Ratschläge und lehren mich mit Worten zu Schwimmen. Schade für sie, denn sie machten die Rechnung ohne zu wissen, dass das Schwimmen zu meinen Instinkten gehört. Erst berichten sie von meinem Tod, dann motivieren sie mich zu kämpfen. Rufen mir zu, dass ich es schaffen kann. Heuchler verdammte! Ja, ich schaffe es. Aber nicht aufgrund ihrer Worte. Die sind so leer und bedeutungslos wie meine Entscheidungen in der Vergangenheit. Ich bin ein neuer Mensch, eine stärkere Version meiner Selbst. Winkt ihr nur zum Abschied.

 

Niemandem gönne ich die Genugtuung Recht gehabt zu haben. Ich hab nicht viel Plan vom Leben, ich weiß auch nicht viel über mich selbst. Das Einzige das ich mit Gewissheit sagen kann, ist, dass ich fähig bin mich zu verändern. Mich, nicht mein Umfeld. Wenn ich den Kampf gegen mich selbst geführt und gewonnen habe, dann kann kein Mensch auf dieser Erde meinen Willen brechen. Merkt euch das für immer. Ich bin nicht bereit, mich bis ins Grab selbst zu bemitleiden.