Nachtgedanken.

Sie ist ein einzigartig, atemberaubend, ein Mensch verliebt sich gern in sie. Vielseitig, spontan, geschätzt und gefürchtet. Nie habe ich etwas Vergleichbares kennen gelernt. Sie verkörpert alles und dennoch nichts von alldem. Wieder liege ich wach im Bett, kann nicht aufhören zu denken.

Sie raubt mir jeden Schlaf, nimmt mir die Energie für den nächsten Tag. Ständiges Grübeln verschlingt mich wie ein schwarzes Loch, wälze mich herum. Ich werde traurig, ich werde wütend, ich bin enttäuscht und komme nicht voran. Durch sie zweifle ich an meinem Leben, an meiner gesamten Existenz.

Wie kann sie es mir nur antun, jeden Tag aufs Neue und eben jede Nacht.

 

Sie hält mir Spiegel vor, die ich nicht zerschlagen werde. Ich will, ich will es wirklich, ich kann nur nicht. Die Uhr tickt, ich verzweifle. Jede Minute die vergeht, bringt mich dem Wecker näher, ich fühle mich bedroht. Ich muss endlich schlafen verdammt. Gott, wie sehr ich sie doch hasse.

In warmen Betten unter weichen Decken, ist sie es, die Eine, bei der ich mich sonst am sichersten und wohlsten fühle. Wie viel Liebe und Geborgenheit ich durch sie erfahren durfte. Es klingt paradox, doch wer sie kennt, der versteht mich.

 

Heimtückisch ist sie, die Gefährliche. Gefürchtete Gestalten werden magisch angezogen. Pünktlich zur Dämmerung kriechen sie aus ihren Häusern und Ecken, missbrauchen sie für ihre Schandtaten. Zum Morgengrauen siehst du nur noch das, was sie hinterlassen haben. Tränen, Elend und vergossenes Blut. So ist sie eben, die Gefährliche, die Ängstliche, die Verschwiegene. Sie ruft das Schönste und das Schlimmste in einem Menschen hervor.

 

Und ja, es gibt so unglaublich viel Schönes. Hier noch ruhig und friedlich, schreit sie zwei Straßen weiter vor Leidenschaft und Ekstase.

Momente die Unendlichkeit versprechen. Erinnerungen die für die Ewigkeit bestimmt sind und dennoch vergessen werden. Sie tanzt, sie singt, sie trifft sich gern mit Freunden und Fremden.

Sie ist zu allem bereit, kennt kein Tabu. Unüberlegt Spaß haben, alles riskieren und in weltfremde Zustände versetzen, ja, das kann sie gut. Menschen verlieben sich gern in sie, die Törichten.

 

Mit Gefühlen spielen, in einer Intensität, wie es kein Sterblicher jemals nachahmen könnte. Mühelos werden die Einsamen noch einsamer und Gemeinschaftsgefühle übertrieben.

Von vielen besten Freunden begleitet, ist sie am Ende diejenige, die allein stehen gelassen wird. Selten bleibt jemand bis zum Schluss. Zum Sonnenaufgang winkt sie ihnen zum Abschied, mit Tränen in den Augen.

Es ist ihre unbeständige Art, die die Menschen zurück in den Alltag treibt. Sie zeigt alle ihre Gesichter. Viele, viele Gesichter mit durchdringendem Blick und dunklen Schatten unter den müden Augen.

 

Doch wie ist sie wirklich? Die Schöne, die Einzigartige, die Geheimnisvolle? Verletzlich ist sie, die Nacht.