Ruhrpott.

Sehnsucht.

 

Jede Straße, jeder Weg, jedes Haus, jeder Baum, jeder Mensch, alles hier ist beständig, alles hier ist konstant an seinem Platz, es scheint fast so als bliebe das für immer. Ich laufe seit Jahren den gleichen Weg zur Schule, auf der gleichen Straße, an den gleichen Häusern vorbei, immer zur gleichen Uhrzeit gehe ich den Weg auch wieder zurück, in das Haus, das mein Uropa gebaut hat.

Am Wochenende verabrede ich mich seit Jahren mit den gleichen Leuten, wir treffen uns an den gleichen Orten, wir trinken alle dasselbe Bier, das schon seit hunderten von Jahren hier getrunken wird, man nennt es Tradition. Wir reden über die immer gleichen Themen, keiner spricht über sich selbst, lieber reden wir über andere, man kennt sie alle. Sprechen in unserer eigenen Sprache, die niemand außerhalb unserer Blase versteht, man nennt es Heimatliebe.

 

Es scheint als führten keine Wege hier rein und keine wieder raus. Wozu denn auch? Die Welt da draußen ist unberechenbar, sie ist wild und laut, voller Gefahren und fremder Menschen. Warum das Fernweh? Was willst du denn im Asphaltdschungel, inmitten von Beton und Menschenmassen, die Krach machen und Stress suchen, sich bewegen und trotzdem anonym bleiben? Man hat hier alles was man braucht sagen sie, man hat hier Wald und Wiesen vor der Tür, sagen sie, man kennt hier seinen Nachbarn und das sei wichtig, sagen sie. Ich möchte ihnen glauben, sie verstehen und mein Schicksal akzeptieren, ich werde mir einen Freund aus der Nähe suchen, wir heiraten in der Kirche, in der ich getauft wurde, kaufen uns ein Haus, denn der Immobilienmarkt ist sehr günstig, woanders bekommt man für das Geld nicht mal eine vier-Zimmer-Wohnung, heißt es immer. Nach meiner Ausbildung als Einzelhandelskauffrau im Rewe um die Ecke werde ich schwanger, wir bekommen erst eine Tochter, dann einen Sohn, beide werden in derselben Kirche getauft in der wir uns auf Ewig unsere Treue und Liebe geschworen haben, vor einem Gott, den ich mich nicht traue anzuzweifeln, einfach weil es so ist und schon immer so war.

Auf dem Weg von der Schule nach Hause, sehe ich zum tausendsten Mal die gleichen Häuser, lese dieselben Straßenschilder, bleibe wie immer an der roten Ampel stehen, drücke den Knopf und zünde mir eine Zigarette an während ich auf grün warte. Der Gedanke daran dieses Leben führen zu müssen bereitet mir Bauchschmerzen. Ich bin genervt von diesen gesellschaftskonformen Leuten, sehne mich in Gedanken nach Orten die nicht historisch gut erhalten sind, nach öffentlichen Verkehrsmitteln und Straßen, die irgendwohin führen, nach Menschen die ich kennenlernen könnte, ohne schon im Vorfeld sämtliche Informationen über sie zu haben.

 

Auf einmal reißt mich ein Hupen aus meinen Gedanken, mir winkt jemand aus einem vorbeifahrenden Auto zu. Es ist ein silberner Ford, zwar konnte ich den Typen nicht mehr sehen, aber erkenne das Kennzeichen, es ist jemand den ich vom jährlichen Grillfest meiner Nachbarin kenne. Kann man denn hier nicht einmal an der Ampel stehen, ohne von irgendjemandem gegrüßt zu werden? Wieso kann ich überhaupt jedes gottverdammte Autokennzeichen zuordnen? Ich denke daran, wer mich alles in diesem Moment sieht und über mein Outfit redet, vielleicht meine Mutter darauf anspricht, dass ich Raucherin bin. Ein riesiger Druck in meiner Brust schnürt mir die Luft ab. Ich fühle mich als könnte ich auf einmal nicht mehr richtig atmen, wie erstarrt stehe ich vor der grün blinkenden Ampel und traue mich nicht loszulaufen, als fehlte mir der Platz, um mich zu bewegen. Es reicht! Ich kann das nicht mehr, in diesem Kaff mit seinen konservativen Strukturen, ich scheiße auf Tradition und Wald und Wiesen. Heimatliebe? Wie gerne würde ich die Heimat mal vermissen! Man sagt doch, wenn du etwas liebst, lass es los, wenn es zurückkommt bleibt es für immer. Ich muss hier weg, mit Abitur aus der Tür, mein goldenes Ticket, um wegzukommen bevor es zu spät ist, ehe ich schwanger und verlobt in einer Doppelhaushälfte sitze.

 

 

Ankommen.

 

Eine Polizeisirene schmeißt mich förmlich aus dem Bett. Es ist 05:40 Uhr und noch dunkel draußen, mit zugekniffenen Augen schaue ich durch den Spalt zwischen den Rollläden und erkenne nichts. Wozu dann der Lärm zu dieser Uhrzeit? Es nützt nichts, ich werde jetzt aufstehen und mir einen Kaffee machen, dann fahre ich eben schon früher zum Campus. Auf Zehenspitzen laufe ich durch den Flur zur Küche, nicht dass ich meine Mitbewohner wecke, einer ist nämlich erst vor einer Stunde nach Hause gekommen, leider war er nicht so rücksichtsvoll.

Für mein Kaffee-Kippen-Frühstück spüle ich mir erstmal eine dieser lustigen „Montage sind scheiß Tage“- Spruchtassen ab und zünde mir den liegengelassenen Joint im Aschenbecher an. Selbst schuld Leute, das habt ihr davon, wenn keiner abspült. Ha, wenn meine Mutter das jetzt sehen könnte, denke ich mir und muss ein bisschen schmunzeln. Ich höre sie förmlich sagen: „Du hast dein Leben nicht mehr unter Kontrolle! Cannabis ist nicht umsonst illegal, es ist ein Rauschgift und macht abhängig, blabla“, aber Alkohol ist was anderes, ist klar.

 

Ein wenig später, aber kein bisschen wacher sitze ich bereits in der Bahn zur Uni. Mit dem Auto bräuchte ich mindestens eine halbe Stunde, je nach Parkplatzsituation, da bin ich mit der Bahn wirklich schneller und besser dran. Ich liebe es früh morgens mit der Bahn zu fahren, man kann in Ruhe Musik hören, aus dem Fenster gucken, die Leute betrachten, die ein- und aussteigen. Es fühlt sich ein wenig an wie ein Kurzfilm, ein Einblick in die Stadt und ich mittendrin.

Dieser Trubel in der Innenstadt fasziniert mich, an jeder Haltestelle steigen Menschen zu, die ich weder schon mal gesehen habe noch wieder sehen werde. Manchmal, wenn ich Zeit habe, überlege ich mir Geschichten zu den Personen, ich frage mich aus welchem Land sie wohl kommen, ob sie verheiratet sind, Kinder haben, welchen Beruf sie ausüben. Man sieht viele unterschiedliche Menschen, die Geschichten hinter den fremden Gesichtern, bleiben ein Rätsel. Die Leute hier wirken als bemerkten sie sich gegenseitig gar nicht. Niemand interessiert sich für den jeweils anderen, es sei denn jemand verhält sich ungewohnt laut, dann gucken einige hin, aber auch die scheinen desinteressiert.

 

So viele Menschen auf engstem Raum und dennoch jeder für sich, krass.

 

Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass Deutschland so viele Gesichter hat, unterschiedliche Hautfarben, verschiedene Sprachen, Restaurants, Läden und Supermärkte mit Dingen, von denen ich noch nie auch nur gehört habe. Ich kann mir zu jeder Tages- und Nachtzeit irgendwo Baklava kaufen, die Möglichkeiten und Optionen scheinen grenzenlos.

Die Universität ist die nächste Haltestelle, ich drehe mir noch schnell eine Zigarette und steige mit ein paar wenigen anderen aus, um mich Richtung Campus zu bewegen. Es ist eben doch noch etwas zu früh für Studenten, geht mir allerdings genauso.

Wenn ich so über den Campus zur Bibliothek laufe, komme ich mir schon erwachsen vor. Mit meiner Kaffee-Thermoskanne und dem Laptop unterm Arm, unter all den anderen Studenten, fühlt es sich an als wäre ich dabei irgendetwas wichtiges zu tun. Wenn ich an meinen Studiengang denke muss ich selbst etwas über diese Aussage schmunzeln, aber immerhin fühlt es sich an als würde ich etwas Wichtiges tun. Ich fühle mich als wäre ich angekommen, ein Teil einer sich bewegenden Gesellschaft, ein Teil von der Welt.

 

 

Freiheit.

 

Alle fünf Minuten schaue ich auf mein Handy, prüfe meine Nachrichten und warte auf den Anruf meiner besten Freundin. Sie verspätet sich wie immer, also entscheide ich mich dazu nicht länger zu warten und gehe schon mal in den Kiosk, um Bier zu holen.

 

„Salam aleikum“

„Aleikum asalam, was bekommst du?“

„Vier Stauder, nen Durstlöscher Orange und eine Schachtel Marlboro rot.“

„Gerne, machst du heute noch Party? Pass auf dich auf Mädchen.“

 

Mit einem Lächeln zwinkere ich dem Kioskmann zu, bezahle und verlasse mit einer Zigarette im Mund den Kiosk. Endlich klingelt es, allerdings ruft sie nur an, um mir mitzuteilen, dass sie jetzt das Haus verlässt. Oh Gott, ernsthaft? Hilft nichts, trotzig laufe ich zum Club und nehme mir vor aus Rache die vier Bier allein zu trinken. Mir kommen wahnsinnig viele laute und scheinbar gut gelaunte Menschen entgegen, alle aufgeteilt in kleine Grüppchen von 3-5 Personen, einige wenige laufen wie ich allein über die große Kreuzung. In der Straße meines vorläufigen Ziels für heute Abend, setze ich mich auf eine Schaukel auf einem kleinen, separaten Spielplatz. Es dauert nicht lange bis ich Gesellschaft habe, zwei Typen meines Alters setzen sich mir gegenüber und hören Musik über ihre Box. Mir gefällt das Lied und ich proste den beiden von meiner Schaukel aus zu. Einer fragt mich ob ich auch auf Techno stehe, ich sage Ja und ehe wir uns versehen sind wir auf dem Weg zu einem anderen Club. Wir teilen uns zu dritt ein Taxi, die beiden wirken recht nett auf mich, sie hatten eigentlich auch vor in den Hip-Hop Club zu gehen aber aufgrund unseres Gesprächs, haben sie sich umentschieden und ich auch.

 

Im Taxi trinke ich mein drittes Bier und erzähle den beiden von meiner Heimat und dass man da nur eine Disco hat, die 8km außerhalb der Stadt liegt, in einem kleinen Kaff, das nur aus sechs Häusern und einer Kompostieranlage besteht. Sie kommen beide aus dem Ruhrgebiet und meinen sie könnten sich das gar nicht vorstellen, ich ernte also die gewohnte Reaktion und wir amüsieren uns alle über mein Teenagerleben. Ich erzähle, dass es ganz normal gewesen wäre diese 8km nachts, betrunken über Felder und Wälder wieder nach Hause zu laufen. Jetzt musste sogar der Taxifahrer lachen und aus Mitleid zu meinem früheren Leben hat er den Preis abgerundet. Er wünscht uns einen schönen Abend.

 

Vor dem Club angekommen trinke ich in der Warteschlange das letzte Bier auf Ex und bekomme einen Anruf von meiner Freundin. Genervt fragt sie wo ich denn sei und wieso ich nicht am ausgemachten Ort auf sie gewartet habe. Es wurde ein sehr langes Telefonat, das ich unterbrechen musste als wir reingelassen wurden, ich habe ihr vorgeschlagen einfach nachzukommen.

Innen ist es ziemlich warm die Luft ist stickig und heiß, alle Leute stehen eng beieinander und tanzen. Einer meiner Begleiter holt aus seiner Hosentasche drei kleine rote Pillen in der Form von Super Mario raus und gibt jedem von uns eine. Wir steuern direkt an die Bar, spülen die Pille mit Wasser runter, trinken jeder einen Shot und gehen dann gemeinsam auf die Tanzfläche. Nach zehn Minuten habe ich die Jungs, mit denen ich hergekommen bin, bereits verloren und tanze mich allein durch die Menge. Es ist dunkel und das wenige Licht im Raum verändert sich abwechselnd von Rot, zu Blau, zu Lila, zu Grün. Der Bass scheppert im Ohr, die Meute um mich herum beginnt zu Pfeifen und zu Jubeln, sie tanzen, ich tanze, es fühlt sich an als würden wir uns alle kennen, als wären wir miteinander befreundet.

Schweißnasse Haarsträhnen kleben an meinem Nacken, mein Herzschlag wird vom Bass bestimmt, meine Bewegungen sind fließend mit denen meiner Umgebung. Obwohl wir alle sehr eng bei einander stehen, fehlt es mir nicht an Freiraum. Ich fühle mich als hätte ich meinen Platz in der Welt gefunden, ich fühle mich zu Hause. Bei dem dunklen flackernden Licht erkenne ich die Gesichter der Menschen zwar nicht, aber ich weiß wer sie sind, wie sie sich fühlen, was sie denken, in dieser Nacht teilen wir unsere Lebensfreude, wir verschmelzen zu einer großen, liebenden Gemeinschaft und feiern gemeinsam die gleiche Musik.

Das Handy vibriert in der Hosentasche, es ist meine Freundin, die draußen vor der Tür steht, sie kommt nicht rein, weil der Club zu voll ist. Ich schnappe mir meine Jacke und gehe raus, wir halten ein Taxi an und fahren zum nächsten Club, sie hat noch zwei Bier mitgenommen, die wir auf der Fahrt dahin trinken. Während ich aus dem Fenster gucke und meine Stadt bei Nacht betrachte, überkommt mich so ein Glücksgefühl, dass ich sie in den Arm nehme und ihr immer wieder einen Kuss auf die Stirn gebe, aus Dankbarkeit, diese Nacht und dieses Gefühl erleben und mit ihr teilen zu können.

 

 

Verfall.

 

Der Wecker klingelt nun zum vierten Mal bevor ich es endlich schaffe die Augen richtig aufzumachen. Es ist 13 Uhr und so langsam sollte ich aufstehen. In der Küche rauche ich erstmal eine und trinke einen Kaffee, ich bin allein in der Wohnung, meine Mitbewohner sind entweder arbeiten oder in der Uni, wer weiß. In der Regel schlafe ich sehr lange und bin nachts unterwegs, sodass wir uns so gut wie nie über den Weg laufen. Ein fetter roter Kreis im Kalender an der Wand erinnert mich daran, dass in drei Tagen Abgabefrist für eine Hausarbeit ist, …die ich noch nicht angefangen habe, also sollte ich mir langsam mal Gedanken machen wie ich aus dieser Prüfung wieder rauskomme. Ob ein Besuch beim Arzt ausreicht? Ganz ehrlich, denke ich mir, würde ich die Energie, die ich darauf verschwende, mich vor wichtigen Sachen zu drücken, dafür aufbringen sie ernsthaft anzugehen, hätte ich letztendlich sogar mehr Zeit und Kraft übrig.

Leider läuft es im Leben eben nicht immer so. Mit dieser Ausrede beende ich den Alltag noch bevor er angefangen hat, indem ich mir einen Joint drehe und diesen auf dem Weg zurück ins Schlafzimmer rauche. Während ich so im Bett liege und gegen die Wand starre, füllt sich mein Kopf mit tausend Fragen, von denen sich jede anfühlt wie ein Vorwurf an mich selbst.

 

Wann habe ich zuletzt meine Mutter angerufen?

Sollte ich nicht irgendwann aufräumen oder einfach mal duschen gehen?

Habe ich noch genügend Geld auf dem Konto für die Miete?

Wie komme ich aus dieser Hausarbeitsgeschichte raus, ohne exmatrikuliert zu werden?

Wann war die Rückgabefrist für die Bücher aus der Bibliothek?

Was habe ich zuletzt gegessen? Und wann??

Und eine Frage, die immer wieder auftaucht: Wie viel Bier sind noch im Kühlschrank?

 

Immerhin ein Ansporn, um aufzustehen, also Versuch Nummer 2. Diese vielen Fragen zu meinem derzeitigen Leben und meiner Situation nerven mich, ich fühle mich müde und überfordert. Das Bier schmeckt nicht, aber die Hoffnung auf bessere Stimmung treibt es rein. Von Tag zu Tag bemerke ich, dass es schlimmer wird.

Es ist als wäre mein Kopf voll mit lauten, wirren Gedanken, aber keiner von ihnen ist greifbar, auf jeden verstummten Gedankenfetzen, folgen fünf neue. Wie auf einer Autobahn schwirren sie durch meinen Kopf, aber sobald ich versuche einen von ihnen zu halten, verblasst er und kann nicht zu Ende gedacht werden. Mich damit auseinandersetzen bereitet mir ernsthafte Kopfschmerzen, ich dreh mir einen weiteren Joint. Augen zu, Inhalieren, wirken lassen, Gedanken anhalten, Gefühle anhalten, ausatmen, durchatmen, Augen auf. Der Kopf ist voll, denn Leere kann sehr ausfüllend sein. Mein Bier ist leer, Gute Nacht.  

 

 

Sehnsucht.

 

Plötzlich hupt mich ein Auto an. Es ist eine dicke Frau in einem schwarzen BMW, die mich freundlich grüßt. Mit einem müden Lächeln winke ich zurück und könnte kotzen, weil ich das Kennzeichen erkenne. Da stehe ich nun, an der Ampel in der Straße, an der ich schon dutzende Male stand, werde gegrüßt von Menschen, die ich seit Jahren kenne, in einer historisch gut erhaltenen Stadt, mit Wald und Wiesen direkt vor der Tür.

 

Mein goldenes Ticket hier raus, hat sich als Eintrittskarte zu einer Odyssee entpuppt. Geschlagen und gefallen bin ich heimgekehrt aus dem Asphaltdschungel. Die Welt da draußen mit all ihren Gefahren und fremden Menschen, war wohl doch etwas zu unberechenbar, laut und wild. Wenn man nicht vorsichtig ist, kann die Großstadt ein Kleinstadtkind verschlucken. Vertraute, dumpfe Stimmen in meinem Hinterkopf sagen: „Früher oder später wirst fei widda zurückkomma und gar nimmer weg wolln!“

Die Augen fest zusammen gekniffen schüttle ich den Kopf, als hätte mich etwas geekelt. Ist das jetzt mein Schicksal, frage ich mich. Werde ich mir hier eine Ausbildung suchen, heiraten, Kinder gebären und in einer Doppelhaushälfte auf den Tod warten? Werde ich hier wirklich nimmer weg wolln?

 

Das Ampelmännchen signalisiert, dass es Zeit ist die Straße zu überqueren, aber ich bleibe wie angewurzelt auf der Stelle stehen. Mir schnürt sich die Luft ab und mein Herz klopft so heftig in der Brust, dass ich mich kurz festhalten muss. Langsam versuche ich durchzuatmen, aber in mir steigt eine Panik auf, die nicht mehr aufzuhalten ist. In den Füßen beginnt es zu kribbeln und die Anspannung zieht sich binnen Sekunden durch den kompletten Körper. Erst zittern die Hände, dann die Beine, ich habe das Gefühl gleich umzukippen. So sehr ich versuche mich zu beruhigen, ich bekomme keine Luft. Meine Lunge macht dicht, ich kann nicht atmen, ich brauche Freiraum! Ich brauche mein zu Hause! Ich brauche das Ruhrgebiet zurück!