Intimität.

Kennst du das?

 

Wenn du jemandem physisch und emotional so nahe bist, dass es nicht näher geht? Diesen Menschen bedingungslos liebst, ihn spürst und doch vermisst, in ihm aufgehen möchtest? 

Du das Bedürfnis hast, ihm noch näher zu sein, für immer ein Teil von ihm, für immer eine Einheit? Mit ihm verschmelzen zu einem Körper, einem Herzschlag, einer Seele?

Kennst du das Gefühl wenn dieser eine Mensch dich küsst und umschlingt und dir Intimität, Nähe und die Wärme schenkt, die du so sehr brauchst, die dir sonst niemand geben kann?

 

Und irgendwo auf der Welt schlägt in diesem Augenblick ein Schmetterling mit seinen Flügeln und es fällt eine Blüte von der Blume ab. Eine Welle bricht gegen einen Felsen und reißt ein Stück aus ihm heraus. Ein Stern fällt und verglüht im Sturz. Und du hast Angst.

 

Du willst die Nähe nicht mehr, es fühlt sich zu warm an, zu intim, zu verletzlich. Die Angst strahlt in Impulsen durch deine Glieder, in jede Zelle deines Körpers spürst du sie wandern wie kleine Elektroschocks. Du fühlst deinen, seinen, euren Herzschlag pulsieren in deinem Hals. Du musst raus! Einfach nur raus aus diesem beklemmenden Gefühl der Zweisamkeit. Du hältst die Luft an, aus Angst seinen Atem zu inhalieren und in deine Lungen aufzunehmen. Innerlich tobend, schlagend, aber sowohl Arme als auch Beine, Hände, Kopf, Füße, Ohren sind versteift, erstarrt, wie gelähmt. Da ist sie, die Panik.

 

Und irgendwo auf diesem Planeten wirbelt ein Sandsturm den Dreck der Wüste auf. Ein Orkan wirft massive Baumstämme um. Ein ungebändigtes Feuer brennt einen über Jahrzehnte bestehenden Wald nieder.

 

Renn weg von hier! Du stößt ihn ab, diesen Fremdkörper, willst weglaufen, einfach still und allein dein Gefühl verarbeiten. Du brauchst Zeit, brauchst Platz, denn der eine unter Milliarden nimmt dir die Luft zum Atmen! Ein Flehen in Gedanken, eine unausgesprochene Bitte, ein gestörtes Signal: Lass mich los, lass mich gehen! Ich hasse dich, ich hasse deine Nähe, deine Wärme. Verschone mich mit deiner Zuneigung. Weder kann noch will ich sie annehmen.

 

Und irgendwo auf der Welt spült ein Regenschauer den Schmutz von Baumkronen. Die Sonne blendet mit ihren Lichtstrahlen, zum ersten Mal nach einem Sturm. Eine Elefantenherde findet ein Wasserloch und sie stillen nach einer langen Wanderung ihren Durst.

 

In eben jener Sekunde brichst du in den Armen dieses geliebten Menschen zusammen. Deine Tränen spülen den Schmerz aus deiner Seele, jede Einzelne trägt ein Stück Einsamkeit in sich, und da kommt die Angst. Angst, ihn zu verlieren, den einen unter Milliarden. Für andere sind es 10 Minuten. Für dich ist es ein Prozess.

 

Sag mal, kennst du das?