Sucht.

Sucht ist einfach. Das Gefühl das Drogen einem geben, kann kein nüchterner Zustand erreichen. Menschen die noch nie Drogen konsumiert haben, können einfach nicht mitreden, wenn es darum geht wie verdammt gut man sich fühlen kann.

 

Sucht ist Flucht.

 

Drogen sind was für Leute die mit der Realität nicht umgehen können und Realität ist was für Leute die mit Drogen nicht umgehen können.

Vorgegaukelte Scheiße eben. Toleranz ist so schnell aufgebaut und danach geht’s nur noch darum höher, weiter, schneller, härter, mehr, mehr, mehr... . Die Selbstwahrnehmung ist im Arsch, was denn sonst, wenn man ständig Mittel konsumiert, die die Wahrnehmung verändern. Selbstwert sinkt stetig, Selbstachtung vollständig abgebaut, Moral und Werte die man mal vertreten hat – drauf geschissen.  Selbstmord erscheint auf einmal als ernsthafte Lösung. Der Scherbenhaufen ist zu groß, Familie und Freunde leiden entweder noch mit oder haben sich distanziert weil der Schmerz und die Enttäuschung zu groß geworden sind mit der Zeit. Beziehungen weg, Job weg, Geld weg, Motivation weg.

 

Respekt erwarten, ihn erzwingen, doch sich selbst nicht respektieren.

 

Clean sein ist eine Herausforderung! - Sterben ist einfach einfacher, als sich seinen Problemen zu stellen und ohne Ausreden oder Fluchtplan weiter zu machen. Mit dieser verdammten Depression, mit dem Wissen, wie viele Gelegenheiten man verpasst hat, wie viele Menschen man vergrault hat, wie viel Zeit verloren gegangen ist und dann auch noch diese bodenlose Scham, für all die Dinge, die man getan hat/ die man tun musste, um an die Drogen zu kommen. Jeder Tag erinnert einen an das armselige Leben, das man geführt hat und man denkt sich: Nie wieder! Wer Sucht kennt weiß, dass man sich früher oder später doch wieder darauf einlässt. Die Vorstellung, für den Rest des Lebens auf Drogen verzichten zu müssen, löst schier Panik aus. Riskant ist die Hoffnung auf ein geregeltes Leben mit kontrolliertem Konsum. "Ab und zu einen Joint rauchen, ist okay. Aber nur am Wochenende und nie alleine." Doch so läuft das Spiel nicht. Ein Mal süchtig, immer süchtig. Es wird kein Tag kommen, an dem man aufwacht und "richtig clean" ist. Je sicherer man sich fühlt, desto vorsichtiger sollte man sein, denn Ersatzdrogen sind wie versteckte Falltüren, man erkennt sie erst, wenn man bereits im Loch sitzt. Sei es Sex, Alkohol, Co-Abhängigkeit in Beziehungen, Essen, Sport, Kaufsucht.....alles kann maßlos betrieben werden und in der Regel führen unkontrollierte, besessene Verhaltensmuster zurück in die alte Abhängigkeit.

Mit jedem Rückfall ein wenig tiefer in die Scheiße. Bis man irgendwann wieder an dem Punkt ist, an dem man in dieser kurzen nüchternen Phase, zwischen runterkommen und dem nächsten High, bemerkt, dass man sich schämt.

 

Ich will nicht die Eine sein, die nicht mit ihren Gefühlen klar kommt. Die die verlernt hat normal zu essen, zu schlafen, mit Mitmenschen umzugehen.

Ich will Respekt! - Vor mir selbst.

Ich will abends mal alleine zu Hause auf der Couch sitzen und die Ruhe genießen, ohne durchzudrehen. Ich will Schweigen aushalten, ohne dass die gefürchtete Stille mir die Wahrheit ins Gesicht schreit. Mühelos einschlafen, statt mithilfe von Pillen, Vodka und 3-4 Joints ins Koma zu fallen, weil ich mir sage, ich könne ohne nicht schlafen.

 

Lange glaubte ich ich sei innerlich tot. Dabei war mein Kopf einfach nur leer gefegt, weil ich jeden Gedanken und jedes Gefühl direkt betäubt oder manipuliert habe, zwangsläufig, denn jeder Gedanke und jedes Gefühl war ein Vorwurf an mich selbst. Reden, reden, reden, das kann ich problemlos. Ich will es beweisen - Mir, keinem anderen. Ganz egal der wievielte Versuch das ist, oder wie viel Zeit ich brauche, es kommt nur darauf an, dass ich mich immer wieder überwinde. Auch sollte die Sucht mal wieder die Kontrolle zurück gewinnen, kenne ich die Wahrheit über diesen scheiß Teufelskreis und ich kenne die Wahrheit über mich selbst.

 

Ich bin nämlich zu schade um zu sterben - und du bist es auch.